Die Zeichnerin gegen Klischees und Vereinfachungen

Mit ihrem Buch „Persepolis“ gehört sie zu den einflussreichsten Comic-Schaffenden der letzten Jahrzehnte. Die iranisch-französische Comic-Künstlerin und Filmemacherin Marjane Satrapi ist am 4. Juni im Alter von 56 Jahren gestorben.

Geboren 1969 in Teheran, lebte Marjane Satrapi in Paris. Persepolis, aus dem Französischen übersetzt von Stephan Pörtner, ist eine autobiografische Erzählung ihrer Kindheit in Iran. Das Buch wurde mit über einer Million verkaufter Exemplare weltweit zu einem der erfolgreichsten Comics. Auch eine von ihr produzierte Filmversion wurde ein großer Erfolg. Ihre Motivation, den Comic zu schaffen, beschrieb sie mit folgenden Worten:

„Als ich in Frankreich ankam, fielen mir sofort die Vorurteile gegenüber meiner Heimat auf. Ich musste pausenlos gegen Klischees und Vereinfachungen anreden. Eines Tages hatte ich dann das Bedürfnis, die letzten zwanzig Jahre, die den Iran so gänzlich umgekrempelt haben, festzuhalten.“

Szenen aus „Persepolis“

Persepolis ist in diesem Jahr mit einem neuen Vorwort der Autorin (übersetzt von Christoph Schuler) in einer neuen Ausgabe bei der Edition Moderne erschienen. Dort liegt auch ihr Buch Sticheleien vor und ab September Huhn mit Pflaumen. Bei Rowohlt kam 2023 Frau, Leben, Freiheit (übersetzt von Hainer Kober, Regina Keil-Sagawe und Sarah Pasquay) heraus. Marie-France Lombardo und Julia Marti, Verlegerinnen der Edition Moderne, erklären:

„Marjane Satrapi hat die Wahrnehmung des Comics als Literatur auch im deutschsprachigen Raum nachhaltig geprägt. (…)Ihr Werk ist maßgeblich ein Grund, warum wir nicht nur Comic-Leserinnen, sondern auch Verlegerinnen der Edition Moderne geworden sind. Dafür, für ihre wunderbaren Bücher und für ihr politisches Engagement können wir ihr nicht genug danken. 

Wir sprechen Marjanes Freund:innen, Familie und unseren Kolleg:innen bei der Association unser herzliches Beileid aus. 

Marjane, tu manqueras!“

Zur Todesursache heißt es in Berufung auf das nähere Umfeld von Marjane Satrapi in mehreren Medienberichten, sie sei an Traurigkeit gestorben, etwas über ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes Matthias Ripa. Der Kritiker Andreas Platthaus schreibt für die FAZ:

„Ich selbst habe selten eine so beeindruckende Frau getroffen wie Marjane Satrapi. In unseren Gesprächen ging es immer uns Ganze, und so furios sie gegen die Islamisten in Iran sprechen konnte, so wütend war sie auch über die westliche Arroganz gegenüber dem Beharrungsvermögen der iranischen Gesellschaft gegen die religiöse Indoktrination. An der Rolle der Vereinigten Staaten verzweifelte sie schon vor anderthalb Jahrzehnten, und die jüngsten Ereignisse werden das noch einmal verstärkt haben.

Doch der schwerste Schicksalsschlag traf sie 2025, als Mattias Ripa starb. Er wurde nur 56 Jahre alt, und aus dem Umkreis von Marjane Satrapi ist zu hören, dass sie ihn einfach nicht überleben wollte.“