„Neuer Tag, neues Buch“

Ein Mädchen glaubt, es sei ein Alien, weil es nicht in die Welt der anderen zu passen scheint. Alice Franklin hat für ihren Debütroman, der auch von Sprache handelt, einen eigenen Ton gefunden.

Genau erklärt wird zu Beginn nicht, wer da eigentlich spricht. Obwohl die Erzählerin vor allem dies tut: erklären. Sie wendet sich nicht an ihre Leser:innen, sondern an ein kleines Mädchen. Es ist zu Beginn drei Jahre alt, und es ist bereits erkennbar, dass es in einer eigenen Welt lebt. In Alice Franklins Roman Was ich dir erzählen möchte oder Lebensweisheiten für ein kleines Alien (dtv, aus dem Englischen von Margarita Ruppel) wird es nie beim Vornamen genannt, und es fällt auch an keiner Stelle der Begriff Autismus.

Die Verhaltensweisen des kleinen Aliens deuten jedoch klar darauf hin. Beschrieben werden sie von seinem älteren Ich, einer Linguistin, genauer: einer Deskriptivistin. Eine Fußnote erläutert, was das ist: „Deskriptivisten sind Leute, die erforschen, wie Sprache tatsächlich verwendet wird. Sie nehmen die unerbittliche See des Sprachwandels weder als Zeichen des Fortschritts noch als Zeichen des Verfalls.“

Mit großer Konsequenz hält Alice Franklin diese Erzählperspektive durch: Es ist keine akademische Sprache, die verwendet wird, weil ein Kind adressiert wird. Es sind aber überaus genaue, fast sezierende Worte, die das Verhalten von Erwachsenen entlarven, die offiziell als normal gelten. Dabei wertet die Erzählerin nicht. Doch was in ihrer Geschichte zutage kommt, ist zuweilen unfassbar – und immer wieder auch – aus der Distanz betrachtet – ziemlich komisch.

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