Die Idee klingt einleuchtend: Ein internationales Bündnis aus Organisationen der Kinderrechte, Bildung, Friedensarbeit, Gesundheit und Wissenschaft ruft zur Nominierung aller Kinder der Welt für den Friedensnobelpreis 2026 auf. Die Frist endet am 31. Januar.
Initiiert wurde der Appell am Welttag der Kinder 2025 vom World Child Forum, einer internationalen Plattform für Kinderrechte und Zukunftsfragen mit Sitz in Oberried. In Deutschland macht nun der Tessloff Verlag auf die Initiative aufmerksam. Pressesprecherin Janine Wölfel fasst gemeinsam mit Aline Sommer-Noack vom Bundeselternrat die Hintergründe der Kampagne wie folgt zusammen:
„Weltweit leben rund zwei Milliarden Kinder. Sie teilen keine gemeinsame Staatsangehörigkeit, wohl aber eine gemeinsame Realität: Entscheidungen über ihre Zukunft werden meist ohne ihre Stimme getroffen. Die Initiative setzt genau hier an – nicht mit Anklage oder Forderungen, sondern mit einer bewusst positiven und verbindenden Perspektive.
Die Stärke der Kampagne liegt in ihrer Universalität. Sie richtet sich an alle Menschen – über Länder, Kulturen, politische Systeme und Generationen hinweg. ,Alle Kinder‘ meint alle Völker, alle Familien, alle Eltern und Großeltern – bedingungslos. Wer einmal Kind war oder Verantwortung für Kinder trägt, versteht diese Idee intuitiv.
Die Initiative steht für Verständigung und Verbundenheit. Sie richtet sich gegen niemanden und verfolgt keine Interessen jenseits der Sache selbst. Es gibt kein politisches Ziel, keinen Erwartungsdruck und keine Bedingungen. Auch im Fall einer Nicht-Platzierung auf der Shortlist bleibt der Kern der Idee bestehen: In den kommenden Monaten wird weltweit eine gemeinsame, positive Kampagne gelauncht, gelebt und gemeinschaftlich weiterentwickelt – getragen von Kindern, Familien und Engagierten.
Nominierungsberechtigte Personen und Institutionen sind aufgerufen, ihren Vorschlag bis zum 31. Januar 2026 einzureichen. Dazu zählen unter anderem Mitglieder nationaler Parlamente, Regierungen sowie ausgewählte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.“
Das World Child Forum bezeichnet sich selbst als „Ort, an dem Erwachsene zuhören, wenn Kinder reden. Es ist ein Raum, in dem die Frage einer Achtjährigen genauso zählt wie die Erfahrung eines Sechzigjährigen. Es ist ein Raum, in dem Spielen kein Kinderkram ist, sondern ein Werkzeug, um wirklich Neues entstehen zu lassen.“ Gegründet wurde es von dem Kulturaktivisten Bernhard Hanel, der u.a. in Krisen- und Kriegsgebieten Spielplätze baut. Er fasst seine Gedanken zum Projekt so zusammen:
„Ob das Nobelkomitee diesem Vorschlag folgen wird, ist nicht die entscheidende Frage. Entscheidend ist, dass wir sie stellen. Ein Nobelpreis für alle Kinder wäre kein politisches Statement, keine PR-Geste. Er wäre ein poetisches Leuchtzeichen. In einer Zeit, in der wir Werkzeuge schaffen, die mächtiger sind als je zuvor, brauchen wir nicht noch mehr Macht – sondern mehr Mut und Maß. Und was könnte ein gerechteres Maß sein als die Frage: Dient das, was wir tun, einer Welt, in der jedes Kind sein Potenzial entfalten kann und eine Zukunft hat? Eine Welt, in der ein Kind in Gaza, in Kiew, in Kampala oder in Köln gleichermaßen zählt? Nicht in Zahlen, sondern in seinem Dasein und in seiner Würde? Inmitten von Krisen und Technologien, von Profitlogiken und politischen Manövern besinnen wir uns auf den einfachsten Maßstab der Welt zurück: das Kind.
Nicht das ideale, das stille, das folgsame Kind – sondern das wirkliche, mit seinen Fragen, seinem Trotz, seiner Sehnsucht nach Sinn und Antworten auf jedes Warum. Dann könnten wir den Friedensnobelpreis 2026 nicht als Abschluss sehen, sondern als einen Beginn. Als Einladung an uns alle, neu zu denken, anders zu handeln und auch als Erwachsener wieder das Kind in sich zu entdecken und aus der so kraftvollen Kinderperspektive Welt neu zu gestalten.“
Der Tessloff Verlag teile die Überzeugung, „dass Kinder Orientierung, Bildung und ernsthafte Aufmerksamkeit brauchen, um Zukunft mitzugestalten. Frieden entsteht dort, wo die Perspektive von Kindern zählt und wo sie frei und selbstbestimmt lernen dürfen, die Welt zu verstehen.“ Verlegerin und Geschäftsführerin Katja Meinecke-Meurer erklärt:„Kinder gehen neugierig in die Welt und stellen unzählige Fragen. Unsere Antwort darauf sollte sein, sie ernst zu nehmen und ihnen Wissen, Orientierung und Vertrauen zu geben, damit sie ihren eigenen Weg finden und Zukunft mitgestalten können.“
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