Frühlings Erwachen, die Kindertragödie gegen Institutionalisierung, Repression, Zwang und Heuchelei, geht denn auch ganz schön zur Sache: Sexuelle Fantasie gegen die Unterdrückung des rebellischen Geistes, Aufklärung gegen Geschwafel, oder profanes Wett-Ejakulieren in der Jungengruppe als Initialisierungsritual – Sexualmoral wurde noch nie in dieser Weise auf der Bühne verhandelt und mit grotesken Figuren ausgefüllt. Mittendrin die Schüler Melchior und Wendla, überfordert von der Kluft zwischen Körper, Gesellschaft und unbeantworteten Fragen. Sozusagen die Nabokov-Version der erwachsen werdenden Peanuts.
Verleger scheuten das Werk, Bühnen mieden es, Intendanten kastrierten es; es musste durch viele Verbote und Zensuren hindurch, bevor es auch mir meine allerschlechteste Deutschnote jemals einbrachte, eine gnädige 4- im Leistungskurs.