Jane Austens Leben klingt fast wie eine Jane-Austen-Erzählung: Ein sehr gescheites Mädchen wächst in der Regency-Zeit gebildet und belesen auf. Sie hat freien Zugang zur elterlichen Bibliothek, und kaum in der Pubertät, erfasst sie sehr rasch, wie sehr die Gesellschaft auf Rollenbilder besteht und wie leicht sich das ganze Theater durchschauen lässt.
Sie schreibt bald Satiren und Glossen, aber ihre drei größten frühen Werke werden anonym veröffentlicht: Verstand und Gefühl, Stolz und Vorurteil, Northhanger Abbey. Denn Frauen schreiben nun einmal nicht. Ironischerweise ist die erfolgreiche Autorin in genau jenen Konventionen gefangen, die sie in der Kunst lässig überflügelt.
Erst ihre späten Werke – Emma und Mansfield Park – erfahren gerechte Anerkennung, aber es wird noch dauern, bis die Literatur begriffen hat, dass Jane Austen den Sittenroman virtuos neu erfunden hat. Mit 41 stirbt sie an einem Nierenproblem, das heute mit Tabletten behandelt wird. Aber immerhin unverheiratet, also unter keines Mannes Pantoffel.