Tafel des Tages

Wenn man einem der ältesten westfälischen Adelsgeschlechter angehört, wird man auch schon mal auf einer Burg geboren, so wie Anna Elisabeth Francisca Adolphina Wilhelmina Ludovica Freiin von Droste zu Hülshoff von der Meersburg zu Meersburg. Ich könnte bis ins 12. Jahrhundert zurückschreiben für diese Meldung.
 
Als Gutsherrenkind in der Biedermeierzeit erfuhr die kleine Annette jedenfalls eine Bildung, die für Mädchen außergewöhnlich war. Ihre poetische Begabung wurde früh erkannt und gefördert. Robust war sie nicht. Zartfühlend und scharfen Verstandes bemaß sie die Welt in Versen und Korrespondenzen, introvertiert, aber gesellschaftlichen Standes. Waren ihre Schriftwerke auch respektiert, so war es die Veröffentlichung nicht. Weiberschriftstellerei war ein Unding, und es war ihre komplette Herkunft, die ihr das Schreiben erst ermöglichte und es zugleich limitierte.
 
Die Judenbuche ist sicher ihr nachhaltigstes Vermächtnis. Das war schon Realismus, während alle anderen noch Romantik schrieben. Seelenschau und Antisemitismus, auch noch nach so vielen Jahrhunderten leider noch aktuell. Aber im Netzwerk der Romantik steckte sie tief genug drin, um Gottlob untrennbar mit ihr verbunden zu sein. Brentano, von Eichendorff, die von Arnims: waren alle froh, dass die Droste dabei war.
 
Herrn Mayers literarische Hochburg gedenkt der Künstlerin, Malerin, Musikerin zum 229. Geburtstag und wünscht allen Menschen einen friedlichen Samstag.
Dieser Inhalt ist nur für Abonnenten sichtbar. Jetzt mehr erfahren...