Tafel des Tages

Für die einen der am meisten abgenutzte ironische Steigerungs-Soundtrack im Kino; für die anderen eine delikate Zwiebel der Metakunst. Ursprünglich ein norwegisches Volksmärchen, wurde es erst als Gedicht von Henrik Ibsen bekannt, und dann weltbekannt durch die Vertonung von Edvard Grieg.
 
Ibsen fragte Grieg persönlich an, ob er nicht die Musik schreiben wolle, damit aus dem Gedicht ein Singspiel werden könne. Ibsens erweiterte Bühnenfassung und Griegs Musikstück hatten am selben Tag gemeinsam Premiere, sozusagen eine Frühform des Soundtracks, ähnlich wie bei Mendelssohns Sommernachtstraum.
 
Handlung? Peer Gynt ist ein Bauernjunge, der sich selbst als vielschichtige Zwiebel betrachtet: Viele Hüllen, aber kein Kern. Er lügt sich in fantastische Abenteuer voller Trolle und Kobolde hinein, die in der Halle des Bergkönigs am feinsten klingen – um auch diesen Kreis zu schließen. Ob in Otto-Filmen oder The Social Network, How I met your Mother oder Simpsons: Der Mountain King kommt aus der Ironisierung gar nicht mehr heraus. Toll, wenn Klassik das kann; aber schade, wenn musikalisches Werk nur noch als Soundclip existiert: Erkennen ersetzt Kontext.
 
Herrn Mayers literarische Buchhalle gratuliert zu 150 Jahren Bomm-Bomm-Paa und wünscht allen Menschen einen friedlichen Dienstag.

Die Tafel des Tages beschriftet der Buchhändler und Branchenbetrachter Matthias Mayer täglich neu in seiner Buchhandlung namens Herrn Mayers Buchladen in Langenselbold. 

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