Im Sommer des Kriegsendes gründete Gregor Gysis Vater zusammen mit anderen Treuhändern in der DDR den Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands, und dessen Verlagsorgan wurde der Aufbau-Verlag.
Antifaschismus, Exilliteratur, Philosophie, Weltliteratur: Aufbau wurde der größte belletristische Verlag im deutschen Osten. Bloch, Brecht, Döblin, Feuchtwanger, Seghers: Wen die Nazis verjagt hatten, druckte man bei Aufbau doppelt gern. Das Verlagsprogramm war immer wieder ein Ringen um Integrität und Anspruch unter den kritischen Augen der Parteiführung. Als man sehr westliche Autoren von Hemingway bis Sarte herausbrachte, war das eine kleine Sensation. Teilnahme an der Frankfurter Buchmesse 1954.
Beim Zusammenbruch des Kommunismus wurde es zur gerichtlichen Streitfrage, ob der Verlag der Partei gehörte oder nicht. Das beschäftigte die Branche 13 Jahre und ein Insolvenzverfahren lang. Aufbau schaffte den Übergang in die freie Marktwirtschaft zunächst mit Investor Bernd Lunkewitz. Erste schwarze Zahlen nach der Wende: Die Päpstin, 1995. Doch Lunkewitz sitzt nach Abschluss aller Urteile als Verlierer auf seinen Investitionen und ist raus. Dem Verlag geht es heute (unter neuer Führung) (inzwischen) (wieder) gut.
Herrn Mayers literarische Ost-West-Achse gratuliert den Kollegen zu 80 Jahren Kulturpflege, salutiert dem Retter Lunkewitz und wünscht allen Menschen einen friedlichen Samstag.