Schon vor 250 Jahren predigte Benjamin Franklin, dass das modern werdende Nachtleben Energievergeudung sei, und dass man vernünftigerweise sein Leben dem Lauf der Sonne angleichen solle. Aber erst die Kanadier probierten das 1908 tatsächlich auch konsequent aus.
In Europa war es der Erste Weltkrieg, der die exzentrischen Briten und dann auch Deutschland auf die Idee brachte, die Uhren eine Stunde vorzustellen, um der Sonne quasi entgegenzukommen. Und das war nicht nur Licht sparen … die Unterbrechung des europäischen Schienenverkehrs war die beste Gelegenheit, eine eigene Landeszonen-Uhrzeit zu testen.
Auch im Zweiten Weltkrieg gab es den ungewöhnlichen, außerordentlichen, staatsverordneten Uhren-Hack wieder, diesmal sogar europaweit bis 1950. Erst die Ölkrise brachte dann das Thema wieder auf den Tisch, und 1980 stellten wir unsere Uhren wieder vor.
Als Kind fand ich das aufregend; heute geht es mir auf den Wecker. Um zwölf Euro Strom zu sparen, muss ich meinem Rhythmus zweimal im Jahr mehrere Tage lang Gewalt antun und dazu die blödesten Uhrstellmechanismen bewältigen. Herrn Mayers zeitgemäßer Buchladen gratuliert zu 110 Jahren Regulierwut und wünscht allen Menschen einen friedlichen Donnerstag.