„Was das Dunkle mit Sorgfalt zugedeckt“

Die Bilder waren zuerst da – und bis auf fünf von ihnen gibt es sie nicht mehr so, wie sie hier gezeigt werden: „Schlich ein Puma in den Tag“ von Verena Pavoni und Lena Raubaum zelebriert fünf Tiergedichte auf nicht gekannte Weise.

„Die Sgraffito-Geschichten entdeckte ich über eine Anzahl kleiner schwarz-weißer Tierporträts, die ich für ein Projekt in Wachskreide kratzte“, sagt die Illustratorin Verena Pavoni. Sgraffito ist ein Begriff, den man aus verschiedenen Bereichen kennt. Er leitet sich vom italienischen Verb „sgraffiare“ –„kratzen“ – ab. In der Putz-Technik werden Sgraffiti auf Hauswände gearbeitet, indem ein farbiger Putz mit einer weißen Kalkschicht überstrichen wird und anschließend in die obere Farbschicht Ornamente gekratzt werden, so dass die die untere zum Vorschein kommt. Auch in der Keramik wird dieser Effekt eingesetzt, und in der Malerei fallen einem Paul Klees Kratzbilder ein.

Als Verena Pavoni mit der Methode spielte, stellte sie fest: „Das Herausarbeiten und langsame Erscheinen der Zeichnung aus dem Dunkel der Ölkreideschichten war für mich magisch.“ Dass sich diese Magie nun auch auf Betrachter:innen überträgt, die beim Arbeitsprozess nicht anwesend sein können, ist der Gesamtkomposition des Bilderbuchs Schlich ein Puma in den Tag zu verdanken. Von der Haptik über die Bildfolge bis hin zum lyrischen Text von Lena Raumbaum ist hier alles genau durchdacht – und tritt mit der Sanftheit, Freiheit und Kraft eines scheuen Tieres auf.

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