Eine Meeresküste, ein Balkon, von dem zwei Kinder in Schlafanzügen aufs Meer sehen, Schüler auf dem Weg über eine Wiese, Passanten in einer belebten Innenstadt, Kinder beim Spielen in der Natur … dies sind die ersten Szenarien, die wir betrachten, wenn wir Johanna Schaibles Bilderbuch Guten Morgen – Gute Nacht betrachten. Miteinander verbunden sind die Bilder durch das Element einer immer weiter aufsteigenden Sonne. Der Text am unteren Bildrand ist sparsam und beschreibt die Möglichkeiten eines Tagesverlaufs.
Haben wir das Buch von der anderen Seite aufgeblättert, befinden wir uns zeitlich zu Beginn einer Nacht – und erleben sie bei aufgehendem Mond ebenfalls von verschiedenen Schauplätzen aus. Denn nicht jede:r geht schlafen und kann träumen, es gibt auch Menschen, die feiern oder arbeiten. Allerdings ist Guten Morgen – Gute Nacht kein Wendebuch, das man in der Mitte umdreht. Die Bucharchitektur ist eine andere: Man kann es von vorne und von hinten aufblättern, weil es zwei Rücken hat, die so gebaut sind, dass es plan daliegen kann. Das ist herstellerisch eine Besonderheit, aber keine Spielerei, denn die Konstruktion spiegelt den Inhalt wider: Auf der anderen Seite des Erdballs herrscht Tag, wenn bei uns Nacht ist.